Montag, 21. Oktober 2013

Warum ich glaube



Nein, ich bin nicht glücklicher, weil ich glaube. Ich könnte auch (genauso?) gut ohne Glauben leben. Ich bin nicht gläubig, weil es mir dann besser geht, oder weil ich meine Existenz sonst nicht ertragen könnte. Um ehrlich zu sein, manchmal denke ich mir, ich hätte es in vielen Punkten leichter - bzw. könnte es mir leichter machen - wenn ich keinen Glauben hätte. Ich müsste meine Gewissensentscheidungen nicht so genau hinterfragen, vor allem dann nicht, wenn es mir unangenehm ist. Ich könnte meinen Egoismus viel skrupelloser ausleben und der Befriedigung meiner Bedürfnisse viel aggressiver nachgehen. Denn diese würden anstelle des Glaubens an Gott treten. Das bedeutet, dass ich vielleicht ohne Glauben an Gott leben kann, nicht aber ohne einen Gott.
Irgendwelchen Göttern läuft der Mensch hinterher, egal ob Popstar, Geld, Reichtum, Sex, Ruhm oder Materialismuskult in jeglicher Form. Wir machen uns Götter, weil wir, obwohl wir es nicht wahrhaben wollen, auf Gott hin ausgerichtet sind. So kommt es, dass auch Atheisten Götter haben, die sie anbeten, ohne dabei ein Bekenntnis abzulegen.

Ich kann also nicht, nicht glauben, weil ich nicht glauben kann, dass ich als Mensch ein Zufallsprodukt der Evolution bin. Ich kann nicht glauben, dass die Millionen Zufälle zu der Tatsache führten, dass es mich (als Menschen) gibt, den eigentlich keiner wollte. Ich kann nicht glauben, dass wir (Menschen) ein Abfallprodukt der Evolution sind, und ich weiß auch nicht, wie Atheisten diesen Irrsinn für wahr halten können, oder was sie an diesem Gedanken tröstlich finden.
Die Tatsache, dass es mich gibt, halte ich für so absurd, dass ich meine Existenz für eine „Unnatürliche“ halte. Es gibt keinen Grund für mich, zu sein. Genauso, wie es für ein Bildnis keinen Grund gibt, aus sich selbst heraus einfach zu sein (es ist nur, weil der Künstler wollte, dass es ist), gibt es auch für die ganze Schöpfung - einschließlich dem Menschen - keinen Grund, zu existieren - es sei den, es gibt jemanden, der wollte, dass wir existieren.

Wenn es aber Gott gibt, dann wäre es geradezu absurd, so zu leben, als gäbe es ihn nicht, denn in Wahrheit ist Gott (so er existiert) die einzige Konstante des Universums. Das bedeutet: Alles ist relativ. Alles ist der Veränderung unterworfen. Alles ist Vergänglich, nur eines ist ewig und unvergänglich - Gott (der Maler des Bildes „Schöpfung“).
Wer zu der Erkenntnis kommt, dass es einen Gott geben muss, für den verschiebt sich die Realität. Alles, was Atheisten für real halten, wird vergänglich, unwichtig, veränderlich, relativ und alles, was diese für Spinnerei halten, wird ewig, unvergänglich, unumstößlich, wahr, real, wirklich.

Bleibt die Frage, warum hat Gott dieses Bild „Schöpfung“ gemalt, dessen Teil wir Menschen sind? Gott ist also - als ein schöpferischer Gott - eine konstruktive und lebensbejahende Kraft.
Die grundlegende Geisteshaltung für alles Aufstrebende, Lebensbejahende, sich über das Leben freuende und Schaffende ist die Liebe. Das mag zwar sehr blumig-poetisch klingen, doch wurde noch kein wissenschaftlicher Begriff dafür gefunden.
Das Universum (die Universen) sind letztlich aus Liebe geschaffen. Wir Menschen sind aus der Lust zu leben, zu lieben, geschaffen. Wir sind dazu geschaffen, Begegnung zu erfahren - letztlich begegnen wir immer Gott (meist, ohne das zu realisieren).
Gott ist das DU der Welt.  Er ist die Begegnung. Er ist die Beziehung. Ohne ihn gibt es weder Begegnung, noch Beziehung - und genau das ist die Botschaft der Bibel. Der Mensch ist das DU Gottes. Das ist eine große Ehre, und die Heilige Schrift sagt nichts anderes (…als Ebenbild seiner selbst, hat er [Gott] ihn [den Menschen] geschaffen).


Bleibt die Frage, warum ich Jesus - so unglaublich seine Gesichte auch klingt - für glaubwürdig halte.
Zu diesem Thema wurden schon zahlreiche Bücher geschrieben, und ich kann gar nicht alle Beispiele in Kürze darlegen. Tatsache ist, dass die Verschriftlichung des Neuen Testaments, so rasch vonstatten gegangen sein muss, dass die ersten Niederschriften entstanden sein mussten, als Zeitzeugen noch lebten. (Evangelien entstanden ca. 70-100 n. Chr., die Paulusbriefe zw. 50-60 n. Chr.) Es gäbe genug Gründe für die Evangelisten, den Tod Christi und dessen Grund der Hinrichtung zu beschönigen. Schon alleine, um sich selbst zu rechtfertigen und zu verteidigen. Doch das tun sie nicht.
Es gibt eigentlich keinen logischen Grund für die Jünger, kurz nach Christi Hinrichtung - also zu einer Zeit, als die historische Figur Jesus noch in den Köpfen der Menschen gegenwärtig war - ihr Verhalten um 180° zu verändern. Zuerst verstecken sie sich logischerweise, weil sie das gleiche Schicksal wie ihr Lehrer befürchten mussten, und plötzlich drehen sie durch und handeln durch und durch unlogisch. Sie treten öffentlich auf, begeben sich mutwillig in Gefahr, setzen sich der Lächerlichkeit und dem Gespött des Mobs aus, indem sie von der unglaublichen Auferstehung Jesu berichten. Die Gegner hätten ja nur den Gegenbeweis bringen müssen. Die Jünger hätten jederzeit der Lüge oder des Verrats überführt werden können, weil es massenhaft Zeitzeugen gab, als sie Jesu Auferstehung bekannten. Auch nichtbiblische Chroniken bestätigen die Zeitangaben der Unruhen unter den Juden wegen Jesus (Josefus Flavius). Hätten die Jünger etwas davon gehabt (Wohlstand, Ansehen, Freiheit, Sicherheit etc.), dass sie plötzlich zu Zeugen Jesu wurden, gäbe es eine Erklärung und die Auferstehung wäre eine Intrige. Doch es gibt keine schlüssige Erklärung, als die, dass das, was sie berichten, ihrer Erfahrung entspricht.
Wer es lächerlich findet, soll anfangen, es zu widerlegen.



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