Mittwoch, 5. Mai 2010

Ein Blick zurück in die Geschichte.

Um die Jahrhundertwende zum 20. Jhd. spürten die Menschen, dass die Monarchie keine Zukunft mehr hat. Die Gesellschaft hatte sich in den letzten Jahrzehnten durch die Industrialisierung massiv geändert. Soziale Konflikte erschienen unlösbar und der Mensch empfand sich als ein ohnmächtiger Teil einer riesigen Maschine, der den Vorgängen und Entwicklungen schutzlos ausgeliefert war.
Was hat dieses Szenario mit uns heute zu tun? Ich fürchte sehr viel.

Heute wie damals spüren die Menschen, dass etwas scheinbar Unveränderbares ins Wanken gerät. Damals war es die Monarchie und heute ist es die EU.
Viele Menschen befanden sich damals in einem egoistischen Rausch, sich noch einmal auszuleben und möglichst viel Geld zu verdienen (oft auf Kosten anderer Menschen), bevor die große Katastophe kommt.
Auch heute sitzen wir auf einer Finanzblase. Denn nicht nur die Staaten sind untereinander haushoch verschuldet und haben ihre Budgetgrenzen gesprengt, sondern auch die privaten Haushalte haben die letzten Jahrzehnte weit über ihre Verhältnisse gelebt. Man kauft kein Auto mehr, sondern man least es. Auf Urlaub fliegen viele Menschen auf Kredit und sparen ist für niemanden mehr eine Tugend. Was so modern scheint und „trendi“ ist, könnte schon bald eine riesen Falle werden, welche das Potential hat, die Massen in die Armut zu stürzen.
Denn auch dieses Konsumverhalten ist nichts anderes als eine Finanzblase.

Nach dem ersten Weltkrieg begann das zarte Plänzlein Konjunktur zu sprießen. Doch nach dem Schwarzen Freitag in den USA forderten alle amerikanischen Banken ihr Geld von europäischen Schuldnern zurück. Doch die deutsche Konjunktur war fast ausschließlich auf amerikanische Kredite gestützt. So brach die deutsche Wirtschaft ein und auf die Wirtschaftskrise folgte eine Sozialkrise und schließlich eine politische Krise an deren Ende der Zweite Weltkrieg stand.

Möglicherweise konsumiert die gesamte europäische Bevölkerung Güter und Dienstleistungen, die sie nicht erwirtschaftet hat. Es ist also so, dass die Griechen nicht die einzigen waren, die weit über ihre Verhältnisse gelebt haben.
Doch könnten die Griechen der erste Auslöser gewesen sein, dass diese Blase in den nächsten Jahren platzt.

Auch wird in der Krise immer mehr und mehr offensichtlich, dass die EU selbst eine politische und wirtschaftliche (Traum)Blase ist. Maßnahmen zur Bändigung der Kapitalmärkte haben sich trotz leidvoller Erfahrung in den letzten Jahren nicht durchsetzen können. Doch wozu dann eine EU? Spekulanten und Ratingargenturen treiben ihr Spiel weiter und machen das wahr, was eigentlich gerade noch vermeidbar gewesen wäre, sodass die Krise ihre Eigendynamik entwickelt, aus der es kein Entrinnen gibt. Es ist also egal, wie oft uns unsere Politiker erzählen, dass die Finanzhilfe Griechenlands notwendig war, um Schlimmeres zu verhindern. Es wird trotzdem kommen,und die Politiker werden sich ihrer eigenen Lügen nicht mehr erinnern wollen. Wenn dann aber Spanien, Portugal, Italien, und Irland im Chaos versunken sind, wird uns bewusst werden, dass auch wir nur ernteten, was wir nicht gesäht haben. Welche Berechtigung hat die EU, wenn sie es nicht schafft, ihre Mitglieder vor diesen entfesselten Kapitalmärkten zu schützen?
Ich glaube nicht, dass die Wirtschaftkrise schon hinter uns liegt, ich bin überzeugt, die Blase wird direkt unter unserem „Hintern“ platzen. Solange sich die Menschen unterhalten, wohin sie auf Urlaub fliegen und welches Auto sie sich „kaufen“ (= leasen), oder welches Handy das trendigste ist, solange hat noch keine Korrektur in den Köpfen stattgefunden. Solange liegt die Krise vor uns.

Kommentare:

  1. Die Kapitalmärkte hätten keine Macht über die Länder, wenn es ihnen diese Länder nicht durch ihr unsolides Finanzgebaren gegeben hätten.

    Die Kapitalmärkte sind lediglich die Prüfer, die für das Wirtschaften der Länder eine Fünf erteilen. Aber wenn der Bauer nicht schimmen kann, dann liegt es immer an der Badehose.

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  2. Der Kapitalismus ist die Krise. Was wir säen würde durchaus reichen, wenn nicht diejenigen die nicht säen (das sind in vorderster Front eben nicht die Politiker, die sind nur kleine Fische, die sich die Brosamen, die vom Tisch der wirklich Mächtigen aus der Wirtschaft fallen, aufglauben) wären und sich schamlos an unserer Ernte bedienen würden und gar an der Missernte noch verdienten, wenn die Wetten an den Casinotischen entsprechend stehen.

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