Montag, 14. Februar 2011

Was die klassische Musik mit der Kirche gemeinsam hat

Ich musste schmunzeln, als ich heute in Radio Ö1 eine Sendung hörte, in der es darum ging, wie man klassische Musik der Jugend näher bringen könnte. Da gibt es jene Stimmen, die behaupten, dass man mit sogenannten „Cross-over-Projekten“ den Jugendlichen entgegen kommen sollte. Dass man die Klassik „aufpeppen“ und modernisieren sollte, um sie für Jugendliche verständlicher zu machen. Doch andere Stimmen behaupten genau das Gegenteil. Dies diene nur einer Abflachung des Niveaus und einer oberflächlichen Annäherung an die Musik. Man prostituiere damit nur die Kunst und verdecke die eigentliche Schönheit der Musik.
 
Kennen Sie das? Progressiv gegen Konservativ.
Sind das nicht genau die gleichen Probleme, die die Kirche Europas zu zerreißen droht?
Progressive Kräfte klagen die konservative Kirchenführung an und beschuldigen Zölibat, Sexualmoral und Klerus, durch ihre Sturheit die Jugend zu vertreiben.
Konservative Kräfte fürchten hingegen, dass durch ein Nachgeben der Forderungen der Glaube abgeflacht oberflächlich und beliebig wird.
 
Die Kirche hat so einiges mit der klassischen Musik gemeinsam.
Sie wird, wie die Klassik, niemals mit der Pop-Kultur mithalten können.
Ihre Botschaft wird nie schreiend, kreischend und laut sein. Deswegen wird sie niemals die Massen an Jugendlichen ansprechen. Wie in der Klassik gehört die Bereitschaft dazu, auch zuzuhören und sein Herz für die Botschaft zu öffnen. Es gehört da wie dort eine gewisse Reife des Publikums dazu. Die klassische Musik lebt nicht davon, dass man über sie diskutiert, sondern dass man ihr lauscht verleiht ihr Flügel. Die Kirche lebt auch nicht davon, dass man über die Richtung streitet, sondern davon, dass die Gläubigen im Gebet vereint sind. Gott ist die Musik (Seele) der Kirche. Ist der Blick und das Ohr auf Gott gerichtet, kann der Graben zwischen progressiv und konservativ niemals so tief sein, das er die Kirche spalten könnte.
In einem Konzertsaal, in dem keine Musik mehr gespielt wird, wird auch der größte Musikliebhaber keine Begeisterung empfinden. Eine Kirche, in der die Musik des Gebetes verstummt ist, wird auch keine Maus mehr aus dem Loch locken (und schon gar keine Jugendlichen).
Viel wichtiger als die Frage der politischen Richtung der Kirche ist die Frage nach Gott.
Dies mahnen auch viele Bischöfe ein und erhalten dafür sehr viel Spott und Unverständnis.
Die Stimme der Wahrheit ist meist leise und unaufdringlich und trotzdem wird sie nie verstummen.
 
 
 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen