Donnerstag, 16. Juni 2011

Medjugorje - ein Reisebericht


Über die Pfingstfeiertage besuchte ich zum ersten Mal den Bosnischen Wallfahrtsort Medjugorje, an dem seit 30 Jahren von Erscheinungen der Gottesmutter Maria berichtet wird. Eigentlich gehöre ich ja zu den Menschen, die sich mit übersinnlichen, unerklärlichen Phänomenen so rein gar nichts anfangen können und denen die Nüchternheit des Alltags viel lieber ist.

 
Natürlich können sich, wenn man eine negative Einstellung hat, alle antikatholischen Vorurteile, die man sich nur ausdenken kann, bestätigen. Angefangen von den zahlreichen Läden, die mit Marienstatuen und Rosenkränzen versuchen, ihr Geld zu verdienen (auch Sonntags), oder der naiven un-hinterfragten Wundergläubigkeit  so mancher Pilger, und vieles mehr.
 
Doch wer es wagt, hinter diese Kulissen zu schauen und Teil des Geschehens zu werden, der erlebt tatsächlich ein Wunder. Auch wenn dieses Wunder ganz und gar nicht übernatürlich ist.
 
Zentrales Thema dieses Ortes ist nämlich nicht, wie man leicht annehmen könnte, die Marienverehrung, sondern die Umkehr, die Buße und die Versöhnung - sowohl mit den Mitmenschen, als auch mit Gott.
Die Marien-Erscheinungen alleine sind es nicht, die Medjugorje ausmachen. Ebenso „wunderbar“ wie die Erscheinungen ist das Lebenswerk des Franziskanerpaters Slavko Barbaric. Von ihm wird gemunkelt, dass er ein Kandidat für eine Seligsprechung werden könnte. Ohne ihn wäre Medjugorje nicht das geworden, was es ist. Ein Ort der Anbetung Gottes, ein Ort der Nächstenliebe und ein Ort der Buße.
 
Nach dem Krieg gründete er (ohne Geld) auf einem Müllplatz das sogenannte „Mutterdorf“, wo kriegsgeschädigte Frauen und Kinder bzw. Waisen Zuflucht finden konnten. Er reinigte mit ein paar arbeitslosen Jugendlichen einen (von der Gemeinde erbettelten) Wald und verwandelte ihn in einen Park. Dieses Projekt gab zahlreiche Familien, Kindern und Müttern eine neue Hoffnung - bis heute. Denn wie Pater Slavko sagte, die Wunden, die zerrüttete Ehen in Kinderseelen schlagen, sind oft größer, als die Wunden, die der Krieg geschlagen hat.
 
Doch wer nach Medjugorje kommt, sollte nicht nur auf den Kreuzberg, den Erscheinungsberg und in die Kirche gehen, sondern auch die Cenacolo Bewegung, die sich um junge Menschen ohne Hoffnung kümmert, besuchen. Viele Drogensüchtige, Spielsüchtige oder andersartig in die Irre gegangene junge Leute bekommen dort eine neue Orientierung in der Liebe Gottes. Sie erfahren dort, dass sie von Gott geliebt sind und dass sie eine Zukunft haben. Cenacolo hat ebenfalls ganz klein angefangen, indem eine Klosterschwester (Elvira Petrozzi) zur Tat schritt und begann, eine Kapelle auf eigene Faust (ohne Geld) zu renovieren. Schon bald fanden sich junge Menschen an ihrer Seite, die sie zu Gott führte. Sie kümmerte sich um die Sorgen und Nöte der jungen Menschen. Die Bewegung wuchs und wuchs, sodass es heute 50 Cenacolo Häuser weltweit gibt. Auch in Österreich gibt es eines. Ein junger Mann gab uns Zeugnis, wie er aus Sucht und Orientierungslosigkeit in dieser Bewegung zum lebendigen Glauben an Jesus gefunden hat. Wie es sein Leben verändert hat und wie wichtig es ist, ständig um Vergebung zu bitten. Wie wild der Kampf ist, den das Böse kämpft, um den Menschen den Weg zu Gott zu versperren und welcher unermessliche Reichtum im Glauben an Gott liegt. Welche Freiheit der Glaube an Christus gibt und wie schön es ist, auch eine Mutter im Himmel zu haben. Seine bescheidene Art war ein glaubwürdiges und berührendes Zeugnis, dass Gott rettet, wenn man ihn bittet.
Diese Menschen werden nicht durch Therapie und Medikamente befreit, sondern sie werden durch das Gebet - allen voran das Rosenkranzgebet - befreit.
 
Auch die Gemeinschaft der Seligpreisungen hat eine Niederlassung in Medjugorje (Sankt Josef Haus). Dort erzählte uns Schwester Maria Benedicta so einiges wirklich Wissenswertes über diesen Ort und über den Sinn der Erscheinungen, über den Inhalt der Botschaften Mariens und was die Gottesmutter eigentlich von uns Menschen will. Dabei ist es nicht erforderlich, dass man ein besonderer Marienverehrer ist. Zweifel sind durchaus erlaubt. Auch theologisch erklärte uns die Schwester sehr viel über die Person Mariens, sodass ich wirklich sagen muss, arm, wer das Geschenk Jesu - nämlich seine Mutter - nicht annimmt. Sie ist nicht die Konkurrenz zu Jesus, sie ist der „Turbo“ zu Jesus.
Die Art, wie die Schwester spricht, war für mich besonders berührend. Sie ist alles andere als weltfremd und abgehoben, und doch, ihre Worte trieben mir die Tränen in die Augen.
Wo viel gebetet wird, kann der Heilige Geist durch Menschen sprechen.
 
Ich empfehle aber nicht nur die Messe, die Beichte und das gemeinsame Rosenkranzgebet, sondern auch die geführte Anbetung Mittwoch- und Sonntagabend (22-23 Uhr) am großen Platz hinter der Kirche. Es ist schon beeindruckend, zu erleben, dass mehrere tausend Menschen in der Gegenwart Gottes so andächtig still sein können (auch Italiener), dass man eine Stecknadel fallen hören könnte. Nicht nur die Gesänge, die große Monstranz und die Gestaltung sind schön, sondern die (be)greifbare Anwesenheit Gottes in der eucharistischen Anbetung „zwingen“ einen auf die Knie.
 
Der Weg auf den Kreuzberg...
...ist ein steiniger Kreuzweg.
Auf den Weg auf den Kreuzberg macht man sich am Besten noch vor der Morgendämmerung (dann fliegen einem noch die Fledermäuse um die Ohren). Denn unter Tags strömen die Massen den Berg hinauf und es ist nicht leicht, in einer Masse andächtig Einkehr zu halten. Vor allem dann nicht, wenn viele italienischen Pilger ihr Heil darin zu suchen scheinen, in möglichst kurzer Zeit alle Stationen des Kreuzwegs zu berühren.
Auf dem Kreuzberg startet man am Besten vor den Sonnenaufgang.

Abgesehen davon wird es unter Tags meist sehr heiß. Der Weg hinauf zum Gipfel ist nicht ganz das, was man sich in Österreich oder Deutschland unter einem Weg vorstellt und der Gipfel ist nicht ohne Mühe zu erklimmen. Manche Menschen gehen diesen Weg barfuß und manchmal sogar auf Knien (was mir unmöglich erscheint). Doch Achtung, der Abstieg ist mindestens ebenso anstrengend wie der Aufstieg.
Es wird wohl niemanden wundern, wenn ich sage, dass sich auf dem Weg auf den Gipfel zum Kreuz ein Kreuzweg befindet, der dazu einlädt, auch unser Kreuz (also alles was uns belastet) zum Kreuz des Herrn zu tragen und dabei auf das Leiden Jesu zu schauen.

Pater Slavko ging diesen Kreuzweg jeden Tag, bis eines Tages, wenige Schritte vor dem Gipfelkreuz sein Herz stehen blieb.
 

Erscheinungsberg
Gegen den Kreuzberg ist der Aufstieg zum Erscheinungsberg ein Kinderspiel. Eine Marienstatue steht an der Stelle, wo die Gottesmutter anfangs den Sehern erschienen ist. Die nüchterne Naturbelassenheit dieses Ortes gibt  ihm zusätzliche Kraft. Es ist ein Ort des Gebetes - eine Kirche ohne Dach. Auf dem Weg zur Muttergottes befinden sich die Stationen des (freudenreichen und glorreichen) Rosenkranzes. Auch zahlreiche Heilungen sollen sich auf diesem Berg zugetragen haben.
 
Doch als Letztes möchte ich noch eine besondere Gnade dieses Ortes erwähnen.
Das Sakrament der Beichte ist wohl das „unbeliebteste“ Sakrament, weil es uns an unsere eigenen Schwächen und Fehler erinnert. Dieses Sakrament kann einfach nicht „modisch“ werden. Es ist wie der Stachel unseres Egos. Deshalb finde ich es so berührend, zu beobachten, dass sich in Medjugorje die Menschen Schlange stehen und warten, um in ihrer Sprache beichten zu dürfen. Die Beichte ist die Versöhnung mit Gott. Dass sich die Menschen in Massen mit Gott in der Beichte versöhnen lassen, ist wohl das eigentliche Wunder von Medjugorje.









Der Kreuzberg



"Der Auferstandene" ist eine Skulptur an deren Bein auf unerklärliche Weise eine Flüssigkeit austritt.
Italiener und Kroaten scheinen von deren Heilkraft überzeugt zu sein.

Kommentare:

  1. Finde solche Madonnenstatuen eigentlich ganz interessant. So verströmen sie doch einen Frieden, wie wir ihn im Herzen selten finden. Selbst die "Ungläubigen" empfinden wohl so. Wie auch immer, ich finde deinen Text und die Bilder sehr schön und mit viel Liebe geschrieben, hat Spaß gemacht! Bis bald.

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  2. Schön, dass es dir gefallen hat. Danke.
    Wenn du aber die Möglichkeit hast selbst hin zu fahren, so kann ich dir nur empfehlen- ergreife die Chance.

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  3. Danke für deinen Bericht über diese Wallfahrt und den guten Ratschlägen. In 14 Tagen fahre ich mit einer kleinen Gruppe nach Medugorje.
    LG
    Rudi

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