Dienstag, 13. März 2012

Waterloo Afghanistan


Nach dem Amoklauf eines US Soldaten in Afghanistan, der 16 Zivilisten das Leben kostete, ist die Welt empört. Nach den (unbeabsichtigten) Koranverbrennungen scheint Amerika weiterhin für Skandale zu sorgen. 


Kaum jemand empört sich hingegen darüber, dass die Ausschreitungen aufgrund der Koranverbrennungen 30 Menschen das Leben kostete (davon sechs US Soldaten).
Das Buch zählt mehr als Menschenleben. So etwas nenne ich moralisch verwerflich.

Ein empörter Afghane meinte im Radio, dass er es als Skandal empfindet, dass ein UNGLÄUBIGER es wagt, in das Haus eines Moslems zu gehen und dessen Familie zu töten. Also an erster Stelle steht gar nicht das Verbrechen an sich, sondern die Tatsache, dass ein Ungläubiger diese Tat begangen hat.

Keine Frage. Diese Tat ist ein fürchterlicher Amoklauf, der zu verurteilen ist.
Doch finde ich es interessant, dass bei Amokläufen deutscher Schüler immer die Frage aufkam, wie der Täter zu solch einer Tat fähig gemacht wurde. Wer hat aller Mitschuld, dass ein junger Mensch zu solchen Taten fähig wird?
In diesem Fall will man von solchen Hinterfragungen gar nichts wissen, denn dann würde man bemerken, dass der Täter schon dreimal im Irak gedient hat und jetzt nach Afghanistan versetzt wurde. Man müsste fragen, welche Erfahrung dieser Soldat mit Muslimen gemacht hat? Welches Bild hat er von ihnen bekommen, das ihn zu solch einer Tat fähig werden ließ? Der Hass auf diese Menschen wird ja auch nicht reines Hirngespinnst sein, sondern aus Erfahrungen, die er im Irak und Afghanistan gemacht hat, resultieren. Das legitimiert natürlich seine Tat nicht, aber es zeigt, wie leicht es einem Moslems machen, sie zu hassen. Er war schließlich jahrelang an Orten stationiert, wo ihm der geballte Hass gegen seine Person, seine Lebensanschauung und seine Gesellschaft entgegenschlug.

Die Afghanen betrachten die Amerikaner (wahrscheinlich aber auch uns) als ungläubige, minderwertige Menschen. Jedem US Soldaten begegnen Moslems mit Hass und Abschaum. Warum sollten gerade die Amerikaner ihnen Wertschätzung entgegenbringen?

Der US Präsident Obama wollte 2014 erhobenen Hauptes aus Afghanistan abziehen. Doch das ist eine Illusion. Skeptiker (darunter auch ich) fühlen sich jetzt bestätigt. Die Mission, nach Afghanistan Rechtsstaatlichkeit, Demokratie und Menschenrechte zu exportieren ist gescheitert. Genauso wird sie in Syrien, in Libyen und in Ägypten scheitern. Die Taliban übernehmen schon jetzt die Macht. Schon jetzt wird verhandelt, ob es ein Recht des Mannes ist, seine Frau(en) zu schlagen. Doch auch für die afghanischen Frauen ist es scheinbar wichtiger, ihr Feindbild - Westen - zu pflegen, als um ihre eigenen Rechte zu kämpfen.
Obama wäre gut beraten, seine Truppen besser heute als morgen aus der afghanischen Hölle abzuziehen und dieses Volk sich selbst zu überlassen. Die Amerikaner sind kriegsmüde und wissen sehr genau, dass es in Afghanistan nichts zu gewinnen gibt.

Bei aller Kritik an den US Kriegseinsätzen der letzten Jahre: Die Amerikaner sind sehr unfairen Pauschalverurteilungen ausgesetzt.
Der Vorwurf, die USA erobert nur wegen des Erdöls, ist am Beispiel eines der verlustreichsten Feldzüge - dem in Afghanistan - zu widerlegen. Hier gibt es kein Erdöl und es war eine Knochenarbeit ohne Erfolg.
Ja, auch ich bin der Meinung, die USA mischen sich viel zu viel in die Weltpolitik ein. Aber sie tun es nicht aus imperialistischem Streben, wie ihnen oft unterstellt wird, sondern oft aus Naivität heraus. Der Vorwurf, dass Erdöl der Kriegsgrund für die USA darstellt, zeugt nicht nur davon, dass man keine Ahnung von Politik hat, sondern auch, dass man sich nicht die Mühe gemacht hat, diesen Vorwurf zu hinterfragen. Ansonsten würde man darauf kommen, dass die größten Ölexporteure völlig unbehelligt von den USA ihr Erdöl verkaufen. (Nigeria, Saudi Arabien, Mexiko, Kanada, Dubai, Russland, Norwegen, Kaukasusländer etc.)
Wie auch immer. Es bleibt zu hoffen, dass Amerika für Syrien etwas lernt.





Kommentare:

  1. Amerika naiv? - Come on!!

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  2. Liebe Mitstreiter und Beter in der Blogozese!

    Zum Geburtstag des Heiligen Vaters wollten wir eine Art elektronische Bilderbuchpostkarte für den Heiligen Vater zu seinem Geburtstag erstellen.
    Dazu hatten wir vor einiger Zeit angefragt und um Mitgratulanten geworben.
    http://beiboot-petri.blogspot.com/2012/02/es-sind-noch-genau-zwei-monate.html
    Idee war, aus den Seiten aller Blogs der Blogozese ein Video zu basteln. Dazu müsste auf jeder Seite ein Geburtstagsgruß eingebracht werden, und dann ein Screenshot angefertigt werden und dieser dann an unsere Blog-Adresse goldmaria01@googlemail.com gesendet werden.
    Cinderella hat einen ersten Prototyp erstellt, den man sich hier anguggen kann.
    http://beiboot-petri.blogspot.com/p/videos.html
    Hierzu haben wir willkürlich aus der kath. Bloggerliste 30 Seiten herausgegriffen und die integriert. Jemand der sich dort noch nicht findet, soll also nicht böse sein... das war keine Absicht.
    Das ist jetzt nur eine Rohfassung in nicht so guter Qualität, aber wir denken als Ansichtsexemplar genügt es.
    Unterlegt wird das ganze dann mit Musik. Wir würden vorschlagen: "Tu es Petrus" Dazu gibt es eine schöne Version von den Regensburger Domspatzen, die wir mir im iTunes-Store runtergeladen habe. Wegen GEMA wollen wir das aber nicht auf den Blog stellen.
    Andere Vorschläge sind natürlich willkommen, das könnt ihr uns dann ja in den Kommentarbereich schreiben. Aber bitte dran denken, es soll dem Papst gefallen - nicht nur uns.
    Es wäre schön, wenn sich viele beteiligen würden damit es ein schönes "dickes" Buch wird.
    Bitte deshalb diese mail großzügig an alle Teilnehmer der Blogozese weiterleiten ... wir kennen ja nicht alle und da ist es gut, wenn es breit gestreut wird.
    Wer ein Video mit Musik haben will, bitte über die e-mail-Adresse anmelden. Wir schicken es dann via eMail wg. GEMA"

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  3. Naivität ist es nicht, sondern es steckt in Afghanistan ein handfestes geostrategisches Interesse:
    1. Der Iran ist im Zangengriff zwischen dem Irak (de facto US-Vasallenstaat) und Afghanistan.
    2. Trans-Afghanistan Pipeline für Erdgas

    Demokratie, Rechtsstaat - ausgerechnet durch die Korporatokratie (Herrschaft der Großkonzerne) USA - da lachen ja die Hühner. Wäre ich Iraker oder Afghane, dann würde ich die USA (und die restlichen NATO-Staaten) wohl in erster Linie als Besatzer empfinden. Als Deutscher will ich die Bundeswehr in sowas nicht involviert sehen.

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  4. @ Anonym: Ich habe wirklich massive Zweifel, dass ein Land wie Afghanistan solch geostrategische Bedeutung hat, dass es einen solchen Einsatz rechtfertigen würde. Dann hätten die Amis ja schon lange abziehen können. Militärisch hatten sie ja schon gewonnen. Auch einen geostrategischen Infrastrukturaufbau in Afghanistan bzgl. des Irans kann ich nicht erkennen. Und die Gaspipeline...welche Länder werden vom Transitgas in welchem Ausmaß beliefert? Ich glaube nicht, dass das diese wirtschaftliche Bedeutung hat.

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  5. Bei der Pipeline geht darum einen Exportweg zu haben, der von den Konkurrenten mit denen die USA nicht im Bündnis stehen (Russland) oder gar ideologisch befeindet sind (Iran) unabhängig ist für die beteiligten US-Unternehmen.

    Außerdem wird das Säbelrasseln in Richtung Iran doch immer lauter: Israel redet offen über einen Angriff; ganz sicher nicht ohne Rückendeckung des großen Bruders USA.

    Wenn die USA sich auf Afghanistan zurückziehen, dann ist das binnen Jahresfrist wieder so wie 2000: Taliban-Land.

    Das Argument, dass der Krieg das alles nicht wert ist stimmt. Aber, das es volkswirtschaftlich unsinnig ist zählt für die Kriegs-Profiteure nicht. Den Krieg wird von der Allgemeinheit bezahlt, den Steuerzahler (nicht nur aber vor allem der USA) - Geld verdient wird damit aber nur durch private Unternehmen, kontrolliert durch und in Besitz von einem sehr überschaubaren Personenkreis. Und die haben die US-Politik gekauft.

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  6. Also, ich habe heute versucht meine Hausaufgaben zu machen.
    In der Tat, die strategische Bedeutung dieser Pipeline habe ich weit unterschätzt.
    Allerdings wäre diese Pipeline nicht nur im Interesse Amerikas, sondern vom essenziellen Interesse vieler Staaten, von Indien, Pakistan, kaukasischen Staaten und nicht zuletzt im Interesse von Afghanistan selbst. Ich würde sogar behaupten, dass diese Pipeline ein wirtschaftliches Rückgrat für Afghanistan werden könnte (nicht einmal die Taliban sind strikt gegen dieses Projekt). Die Gasleitung wäre sozusagen die ideale Entwicklungshilfe für das zerstörte Afghanistan. Jedem Dollar, der in eine Pipeline investiert wird, folgen zwei weitere - für Pumpstationen, Straßen oder Häuser, in denen Arbeiter wohnen. (Zitat: aus der Spiegel.de) Das wäre doch rein theoretisch endlich eine Alternative zum Mohnanbau. Dass die Pipeline der eigentliche Grund für den Einmarsch in Afghanistan war, halte ich für unglaubwürdig. Die Pipeline als Alternative zum Iran ist ebenfalls in vieler Länder Interesse, und nicht nur in Amerikas.

    Auch die strategische Bedeutung im Bezug auf ein Kriegsszenario im Iran halte ich für überbewertet. Wenn es der USA irgendwie möglich ist, einen offenen Krieg mit den Iran zu vermeiden, sie würden es tun. Wenn es wirklich zu einen Einsatz im Iran kommt, dann sicher nur punktuell an strategischen Punkten, bzw. an strategischen Zielen. Die US Verteidigung hat laut Wikipedia für den Nahen und Mittleren Osten folgende Zentralbasen. Es gab schon seit der Idee zu dieser Pipeline auch massive Zweifel von Ökonomen, Politikern und Wissenschaftlern. Es gibt sogar den Ausspruch, dass eine Pipeline zum Mond realistischer wäre, als durch dieses Gebiet. Schon alleine deswegen halte ich dieses Vorhaben als Kriegsgrund für unwahrscheinlich.


    CENTCOM ist das zuständige Regionalkommando für den Nahen Osten, Ost-Afrika und Zentral-Asien. Dabei war das Kommando für den Einsatz und die Koordination des US Militärs und US-geführter Koalitionstruppen während zahlreicher Operationen, inklusive der Operationen Desert Storm und Desert Shield und der Operation Iraqi Freedom, zuständig.
    Die Truppen, die CENTCOM unterstehen, sind derzeit primär im Irak und Afghanistan eingesetzt und haben Stützpunkte in Kuwait, Bahrain, Katar, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Oman, Pakistan, Dschibuti
    (Quelle: Wikipedia).
    Hier handelt es sich vielleicht um einen psychologischen Effekt für den Iran von US besetzen Gebieten in die Zange genommen zu werden. Als Aufmarschgebiet, oder Nachschublager ist Afghanistan sicher nicht zu gebrauchen. Sollte das wirklich das Ziel der US Strategen gewesen sein, dann war dieses von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Ich glaube tatsächlich, dass Amerika den Taliban (und damit Al-Kaida) den Boden entziehen wollte, indem es die politische Lage beruhigt.
    Dass Amerika sozusagen im Auftrag einiger Konzerne handelte, um eine Pipeline, oder der Waffenindustrie ein paar Waffen abkaufen zu können, halte ich eher für eine Verschwörungstheorie. Natürlich steht die US Regierung, genauso wie die EU Kommission unter massiven Lobbiysteneinfluss.

    Ich gebe aber durchaus zu, dass ich kein Experte in diesen Dingen bin. Ich glaube nur, dass sich um den Kriegshunger der USA mittlerweile mehr Verschwörungstheorien ranken, als um den 11/9, und ich beobachte, dass man in Zeitungskommentaren nur all zu schnell mit einfachen Antworten begnügt.

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  7. Krieg hat nie nur einen einzigen Grund. Wie dem auch sei: ich bin davon überzeugt, dass Naivität (und Großherzigkeit) nicht zu den Gründen gehören, die die amerikanischen Entscheider zu ihrem Eingreifen und Bleiben bewegt haben.

    Ich gestehe der Sache auch durchaus eine ideologische Komponente zu - der Export eines Regierungsmodells oder der unbedingten Support für den israelischen Staat sind gewiss auch Prinzipienfragen. Aber: "money makes the world go 'round" - die ökonomischen Interessen der USA halte ich für die stärkste Triebfeder. Das kannst du mit dem Vorwurf der Verschwörungstheorie beiseite wischen: das ist ein sich wiederholendes Handlungsmuster. Entschuldige wenn ich es jetzt so hart ausdrücke, aber den schlecht beleuchteten Verstrickungen zwischen Kapitalflüssen in politischen Kampagnen, die Wirtschaftsinteressen der handelnden Politikern selbst sind dicht, zu viel zu geringen Teilen aufgedeckt, intransparent: diesem Geflecht Vertrauen statt Misstrauen entgegenzubringen, DAS nenne ich Naivität.

    Auch wenn es schnell und einfach ist: Kriegführen ist, war und wird niemals eine edle und selbstlose Angelegenheit sein.

    Und eigentlich sind deine und meine Position gar nicht besonders verschieden, jedenfalls was die Handlungsempfehlung, diese Interventionen besser früher als später zu beenden, anbelangt.

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  8. Nein, ich unterstelle niemanden ein Verschwörungstheoretiker zu sein und ich bin überzeugt, dass die USA handfeste politische, und teilweise auch wirtschaftliche Interessen in allen verfolgen, dass sie (auch militärisch) tun. Ich glaube nicht, dass ich gutgläubig bin und in Amerika den über alles stehenden Vertreter von Demokratie und Menschenrechten sehe. Eigentlich bin ich sogar der Meinung, dass man den arabischen Ländern nicht ständig eine Demokratie aufs Auge drücken sollte. Ich glaube aber auch, dass man es sich zu einfach macht. das Vorhandensein von Erdöl als Kriegsgrund für Amerika zu definieren.

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